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Alt-Veyata - Morphologie

- Alt-Veyata ist sichtbar jünger als Ur-Veyatisch, aber noch formreicher als Veyrathi.

Alt-Veyata - Morphologie

Morphologisches Profil

  • Alt-Veyata ist sichtbar jünger als Ur-Veyatisch, aber noch formreicher als Veyrathi.
  • Wurzeln bleiben klar erkennbar; Funktionsmarkierung verteilt sich auf Suffixe, Klitika und freie Partikeln.
  • Im Vergleich zu den Tochtersprachen ist Alt-Veyata die eigentliche Scharnierstufe: alte Formen sind noch da, neue Vereinfachungen greifen bereits.

Personalpronomen

Alt-Veyata bewahrt wie das Ur-Veyatische ein Doppelsystem aus längeren und kürzeren Formen. Die kürzeren Formen sind in der laufenden Rede normal; die längeren Formen tragen Höhe, Distanz, Ritual oder Kontrast.

FunktionKurzformVollformObliqueGenitiv/Possessiv
Enununaunuinu=ren
Enelnelnelanelinel=ren
Enornornoranorinor=ren
Enaththathayathaitha=ren
Enisisishaisiis=ren
neutral/fremdhöflichseseyaseise=ren
unpersönlichveveyaveive=ren

Reflexiv

  • ser = sich selbst
  • Beispiel: Nor seyra ser. = Der Enor sieht sich selbst.

Pronominaler Plural

  • Belebte oder gruppenbezogene Mehrzahl wird häufig mit -iri gebildet.
  • In laufender Rede beginnen bereits gekürzte Formen zu zirkulieren.

Beispiele:

  • nu -> nun / nuiri
  • nel -> neliri
  • nor -> noriri
  • tha -> thairi
  • is -> isiri
  • se -> sen

Hinweis:

  • Gerade hier setzt später die starke Drift ein: Veyrathi standardisiert kürzere Reihen, Veytharisch baut neue Oblique- und Possessivserien auf.

Nominalmorphologie

Relationen

Alt-Veyata hat keine volle Kasusreihe mehr, aber drei stabile Relationen:

RelationMarkerKernfunktion
DirektunmarkiertSubjekt, neutrales Objekt, Prädikatsnomen
Oblique-iZiel, Empfänger, markiertes Objekt, ältere Lokativreste
Genitiv/Possessiv=renBesitz, Zugehörigkeit, Herkunft, institutionelle Bindung

Beispiele:

  • thalor = Rat
  • thalori = dem Rat / den Rat betreffend
  • thalor=ren = des Rates

Numerus

NumerusMarkerGebrauch
SingularGrundformunmarkiert
belebter/sozialer Plural-iriPersonen, Gruppen, personale Kollektive
kollektiver/neutraler Plural-naDinge, Stoffe, Mengen, Sammelbezeichnungen

Beispiele:

  • seror -> seroriri
  • drun -> drunna
  • naar -> naarna
  • enar -> enariri

Determiner

FormFunktion
arabestimmt, nah, gemeinsam bekannt
enaunbestimmt
orafern, diskursiv abgesetzt, jenseitig
  • ara markiert noch mehr als bloss Definitheit; es signalisiert geteilten Horizont.
  • ora ist noch deutlich deiktischer als das spätere veyrathische or.

Besitz

  • Besitz steht meist als Genitiv-/Possessivklitikum vor dem Nomen:
  • nu=ren drun
  • se=ren thalor
  • nor=ren kevara
  • =ren markiert nicht nur Eigentum, sondern auch Herkunft, Zuständigkeit und Zugehörigkeit.

Adjektive

  • Grundstellung: nach dem Nomen
  • ara thalor zeya
  • ena kevara zorin
  • Voranstellung ist feierlich, kontrastiv oder poetisch
  • draz ara thalor
  • zeya ora veyratha
  • In obliquen Nominalphrasen kann das Adjektiv mit -i mitmarkiert werden:
  • ara thalori zeyai

Gradpartikeln

FormFunktion
isaverstärkt
lenaschwächt ab

Beispiele:

  • ara nor isa draz
  • ara nor lena draz

Verben

Grundform

  • Die Lexikonform endet regulär auf -a.
  • Diese Form ist zugleich die schlichte präsentische Realisform.

Beispiele:

  • veyra = sprechen
  • seyra = sehen
  • tala = gehen
  • nava = geben
  • wera = schreiben

Tempus und Aspekt

KategorieBildungBeispielBedeutung
PräsensGrundformNu veyra.Ich spreche.
Vergangenheit-naNu veyrana.Ich sprach.
Zukunft/IntentivVerb + raNu veyra ra.Ich werde sprechen.
Verlaufsai + VerbNu sai veyra.Ich bin am Sprechen.
Resultativhana + meist VergangenheitsformNu hana veyrana.Ich habe gesprochen.
Irrealiskei + VerbNu kei veyra.Ich würde sprechen.

Negation

  • Grundnegator: no
  • Neutrales Muster: Subjekt + no + (sai/hana/kei) + Verb + (ra)

Beispiele:

  • Nu no veyra.
  • Nu no sai veyra.
  • Nu no veyrana.

Imperativ

  • Singular und direkte Ansprache: nackte Verbform
  • Veyra!
  • Tala!
  • Prohibitiv: no + Imperativ
  • No veyra!
  • No tala!

Nichtverbale Prädikation

  • Im unmarkierten Präsens kann Alt-Veyata wie späteres Veyrathi kopulalos bleiben:
  • ara thalor zeya
  • nu=ren drun torim
  • Für markierte Tempus-, Negations- oder Irrealiszusammenhänge dient fera als Stützverb:
  • ara toren no fera torim
  • ara thalor ferana zeya
  • ara toren kei fera torim

Wortbildung

Produktive Endungen

FunktionMarkerBeispiel
Ereignis / Abstraktum-athaveyratha
Agens-orveyror
relationales Adjektiv-ikevari

Präfixe

  • ba- zielgerichtet
  • eth- entziehend
  • vae- umformend
  • kir- trennend
  • ret- rückwärtig
  • il- hinein
  • uth- hinaus
  • syn- zusammen

Beispiele:

  • rettala
  • synzora
  • vaekova

Grammatische Partikeln

FormFunktion
noNegation
saiVerlaufsaspekt
hanaResultativ
keiIrrealis
raZukunft / Intentiv
kaPolarfrage, meist satzfinal

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