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Veyrathi - Morphologie

- Stark regelmässig, mit wenig Ausnahmeformen.

Veyrathi - Morphologie

Morphologisches Profil

  • Stark regelmässig, mit wenig Ausnahmeformen.
  • Hauptsächlich suffixierend (Endungen statt Stammwechsel).
  • Keine Kasusflexion; Relationen werden über Wortstellung und Partikeln markiert.
  • Verben konjugieren nach Zeit/Modus, nicht nach Person.

Personalpronomen

Subjektformen

  • nu (Enu)
  • nel (Enel)
  • nor (Enor)
  • tha (Enath)
  • is (Enis)
  • se (neutral/fremdhöflich)
  • ve (unpersönlich: man)

Objektformen

Regel: Subjektform + -r

SubjektObjekt
nunur
nelnelr
nornorr
thathar
isisr
seser
vever

Possessivformen

Regel: Subjektform + 'ren

SubjektPossessiv
nunu'ren
nelnel'ren
nornor'ren
thatha'ren
isis'ren
sese'ren
veve'ren

Reflexiv

  • ser = sich selbst
  • Kann für alle Personen genutzt werden: Nor seyra ser.

Pluralformen (Pronominal)

  • nun (Enu-Mehrzahl)
  • nelir
  • norir
  • thair
  • isir
  • sen (neutrale Mehrzahl)

Hinweis: Das pronominale sen ist funktional getrennt vom Zahlwort sen (= 1.000) und von der Fachwurzel sen (= Rezeptor).

Nominalmorphologie

Numerus

  • Singular: Grundform
  • Plural: meist -ir (belebt/sozial markiert) oder -n (neutral/sammelnd)

Beispiele:

  • thalor -> thalorir
  • naar -> naarn

Definitheit

  • ar = bestimmter Artikel
  • en = unbestimmter Artikel
  • Kein formaler Kasus am Artikel

Possession

  • Besitz wird über Possessivpronomen vor dem Nomen markiert:
  • nu'ren naar = meine Heimatwelt (Enu-Sprecher)
  • se'ren thalor = dessen/deren Rat (neutral)

Demonstrativa

  • ar = dieser/diese/dieses (nah)
  • or = jener/jene/jenes (fern)

Hinweis: ar kann als bestimmter Artikel und als nahes Demonstrativ auftreten; Kontext löst die Lesart.

Adjektivmorphologie

  • Adjektive sind i. d. R. unflektiert.
  • Position: nach dem Nomen (ar nor draz).
  • Intensivierung: Partikel is vor dem Adjektiv.
  • ar nor is draz = der sehr starke Enor
  • Abschwächung: Partikel len vor dem Adjektiv.
  • ar nor len draz = der eher starke Enor
  • Als Intensivierer steht is direkt vor dem Adjektiv; als Pronomen bleibt is im Subjektslot.

Verbmorphologie

Grundform

  • Die Zitierform endet auf -a.
  • Die unmarkierte finite Grundform ist mit der Zitierform identisch: veyra, seyra, tala.
  • Für Derivationen wird ein Stamm ohne finales -a angesetzt (veyra -> veyr-).

Tempus

TempusBildungGlossBeispiel
PräsensGrundform auf -aPRSNu veyra.
VergangenheitGrundform + -nPSTNu veyran.
ZukunftGrundform + -raFUTNu veyrara.
  • Tempussuffixe hängen direkt an die Zitierform: tala -> talan / talara, kira -> kiran / kirara.

Aspekt (periphrastisch)

  • Verlaufsaspekt: Partikel sa vor der unmarkierten finiten Verbform (Gloss: PROG)
  • Nu sa veyra. = Ich bin am Sprechen.
  • Resultativ/Abschluss: Partikel han vor meist vergangenheitsmarkierter finiter Verbform (Gloss: RES)
  • Nu han veyran. = Ich habe gesprochen (abgeschlossen).
  • sa, han und kei besetzen denselben präverbalen Partikelslot und werden im Regelfall nicht frei gestapelt.

Modus

  • Imperativ: Grundform ohne Pronomen in direkter Ansprache
  • Veyra! = Sprich!
  • Prohibitiv: no + Imperativ
  • No veyra! = Sprich nicht!
  • Irrealis/Konditional: Partikel kei im präverbalen Partikelslot, direkt nach dem Subjekt (Gloss: COND)
  • Nu kei veyra, ... = Wenn ich sprechen würde, ...

Negation

  • Standardnegation mit Prädikatspartikel no am linken Rand des Verbalkomplexes (Gloss: NEG):
  • Nu no veyra. = Ich spreche nicht.
  • Mit weiteren Partikeln: Subjekt + no + (sa/han/kei) + Verb
  • Nu no sa veyra. = Ich spreche gerade nicht.
  • Mit Tempusformen unverändert:
  • Nu no veyran. / Nu no veyrara.

Grammatische Partikeln

PartikelFunktionGloss
noNegation/ProhibitivNEG
saVerlaufsaspektPROG
hanResultativRES
keiKonditionalmarkerCOND
kaFragepartikel (satzfinal)Q

Nichtverbale Prädikatsmarkierung

  • Im unmarkierten präsentischen Aussagesatz bleibt nominale und adjektivische Prädikation kopulalos.
  • Sobald Negation, explizites Tempus, Aspekt oder Irrealis markiert werden, übernimmt fera die finite Markierung als Stützverb.
  • Schema: Subjekt + (NEG) + (PROG/RES/COND) + fera + Prädikativ
  • Ar toren no fera torim. = Die Tür ist nicht offen.
  • Ar toren feran torim. = Die Tür war offen.
  • Ar thalor ferara zeya. = Die Versammlung wird neu sein.
  • Ar toren kei fera torim. = Die Tür wäre offen.
  • Als Vollverb behält fera weiterhin seine eigenständige Bedeutung "tun, machen".

Verbvalenz (Grundklassen)

  • Die Grundvalenz eines Verbs ist lexikalisch stabil; Präfigierung verändert meist Richtung, Skopus oder Register, nicht automatisch die Argumentzahl.
MusterTypTypische VerbenBeispiel
S-Vintransitiv, Bewegung/Zustandtala, vura, nema, tura, yemaNu tala.
S-V-Otransitivkela, kera, fira, kira, seyraNu kela nel.
S-V-LokStellung/Aufenthalttura, yema, lonaSe tura ar talem.
S-V-O-LokPlatzierung/Bewegung mit Zielpala, tima, benaNor pala lanen ar tavar.
S-V-REC-THEMETransfernava, bena, seraNu nava nel pethan.
S-V-dei-SatzKomplementsatz mit Inhaltveyra, myra, java, sherraNor myra dei se tala.
S-V-para-Satzintentionale/finale Einbettungteva, fera, veyraNu teva para se vura.
  • Bei Transferverben stehen Empfängerpronomen direkt nach dem Verb: Nu nava nel pethan.
  • Wenn Empfänger und Thema beide volle NPs sind, steht der Empfänger bevorzugt vor dem Thema oder wird pronominalisiert, damit die Lesart stabil bleibt.

Derivation (Wortbildung)

Nominalisierung

  • Verb -> Ereignis/Abstraktum mit Nominalmarker -th
  • Oberflächenregel:
  • Nach vokalischem Stamm: meist -th
  • Nach konsonantischem Stamm: epenthetisch -ath (phonetisch leichter)
  • veyra -> Stamm veyr- -> veyrath
  • seyra -> Stamm seyr- -> seyrath
  • nava -> Stamm nav- -> navath

Agensbildung

  • Verb -> Täter/ausübende Rolle mit -or
  • veyra -> veyror (Sprecher)
  • tal (gehen/kommen, Stamm) -> talor (Wandernder/Bote; historisierte Nebenform: thalor)

Adjektivbildung

  • Nomen -> Eigenschaft mit -i
  • is -> isi (enisisch, hochrangig konnotiert)
  • kevar -> kevari (vertraglich)
  • vethan -> vethani (rechtlich/gesetzlich)

Vorsilbensystem (Präfigierung)

Veyrathi nutzt ein eigenständiges Vorsilbensystem auf Basis von Richtungs-, Aspekt- und Valenzmarkern.

Klasse A: gebundene Kernpräfixe (untrennbar)

  • ba- (zielgerichtet/betroffen machen)
  • eth- (entziehen/entfernen)
  • ar- (Erreichen/Resultat)
  • vae- (verändern/umformen)
  • kir- (trennen/zerlegen)
  • nis- (fehl-/falsch-)
  • ul- (Gegenrichtung/Umkehr bei Verben)
  • or- (ursprünglich/erst-; lexikalisch, schwach produktiv)

Beispiele:

  • vae + kova -> vaekova (umbauen, umformen)
  • kir + jora -> kirjora (auseinanderbinden, auftrennen)
  • nis + zora -> niszora (falsch antworten)

Klasse B: gerichtete Verbpartikel (trennbar im Diskurs, gebunden im Lemma)

Produktiv für Bewegung und Lagewechsel:

  • sha- (ab-/wegabwärts), na- (an-/auf etwas zu), sor- (aufwärts), uth- (hinaus)
  • il- (hinein), thur- (hindurch), mur- (hinunter), ovar- (hinüber/über)
  • ra- (her zum Sprecher), vi- (hin vom Sprecher), pra- (voran), vek- (weg)
  • mel- (mit-), ret- (zurück), syn- (zusammen), tiv- (dazwischen), sai- (vorbei)

Lemmata werden zusammengeschrieben (z. B. vitala), in informeller Rede kann die Partikel fokussiert nachgestellt werden.

Beispiele:

  • vi + tala -> vitala (hingehen)
  • il + tala -> iltala (hineingehen)
  • uth + tala -> uthtala (hinausgehen)
  • ret + tala -> rettala (zurückgehen)
  • thur + seyra -> thurseyra (durchsehen)

Klasse C: adverbial-lexikalische Vorfelder

Adverb/Adjektiv/Substantiv + Verb wird nur dann fest verbunden, wenn die Kombination lexikalisiert ist.

Produktive lexikalisierte Muster:

  • mora-, sela-, vel-, jor-, nul-, ret-, sai-, zeya-, draz-, vara-, thur-, nar-

Einschränkungen (wie gewünscht):

  • lena- nur in wenigen lexikalisierten Verdichtungen; sonst bleibt das Adjektiv frei.
  • kelir-, lurim-, sarim- und nari- werden nur in engen Fach- oder Bildfeldern verbalisiert.
  • Gradpartikeln wie is und len bilden keine Verben.

Orthographische Regeln

  • Präfix + Verb wird im Lexikon zusammengeschrieben.
  • Doppelvokale an Fugen werden nicht getilgt (z. B. vae + kova -> vaekova).
  • r-/n-Kontakt bleibt erhalten (vi + nava -> vinava möglich, regional auch vinnava).

Lexikalisierung vs. Systemform

  • Einige ältere Simplexverben bleiben als lexikalisierte Grundwörter erhalten (rora, sula, dera, kila, java, mava, dena).
  • Parallel sind systematische Präfixformen zulässig und in Fachregistern bevorzugt:
  • keva -> vaekeva (handeln -> verhandeln)
  • pora -> ulpora (erinnern -> vergessen)
  • zora -> synzora / kirzora / bazora (zustimmen / widersprechen / erklären)

Komposition

  • Rechtsköpfige Komposita: letztes Glied ist der Kern.
  • Muster: [Bestimmer] + [Kern]
  • naar-thalor = Heimatrat
  • zeya-veyrath = Neurede / neue Sprachform

Morphophonologische Hinweise

  • Keine Vokalharmonie.
  • Keine produktiven Umlautprozesse.
  • An Wortgrenzen kann r vor Dentalen leicht abgeschwächt werden (Aussprachevariante, nicht orthographisch).

Glossing-Konventionen

  • Personenlabels: 1EN, 3ENOR, NEUT
  • Rollenlabels: POSS, REFL
  • Tempus/Aspekt/Modus: PRS, PST, FUT, PROG, RES, COND
  • Satzfunktionen: NEG, Q, DEF, INTS, DIM, COP, WH

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