Veyrathi - Schriftsystem
Arbeitsstatus
Dieser Entwurf beschreibt eine erste kanonische Veyrathi-Blockschrift. Sie ist als featurale Alphabetschrift mit Silbenblöcken gedacht: Die einzelnen Zeichen repräsentieren Phoneme, werden aber wie im Hangeul zu kompakten Silbenfeldern zusammengesetzt.
1. Grundlage
- Phonologische Basis: 26 Kernphoneme
- Davon 5 Vokale und 21 Konsonanten
- Für die Schrift werden 27 Grundzeichen empfohlen:
- 21 Konsonantenzeichen
- 5 Vokalzeichen
- 1 lautloser Träger für vokalisch anlautende Silben
- Optional kommt 1 Hiatuszeichen dazu, wenn der Glottalstopp oder eine harte Vokaltrennung sichtbar geschrieben werden soll
Damit braucht die Schrift im engeren Sinn 27 eigenständige Buchstaben, im erweiterten Sinn 28 graphische Grundzeichen.
2. Formprinzipien
Alle Zeichen werden aus wenigen Grundelementen gebaut:
- Punkt
- Vertikalstrich
- Horizontalstrich
- linker Halbkreis
- rechter Halbkreis
- oberer Halbkreis
- unterer Halbkreis
Gestaltungsprinzip:
- Konsonanten tragen vor allem Ort und Art der Artikulation
- Vokale sind einfacher und kompakter
- Ein zusätzlicher Punkt markiert bei Konsonanten bevorzugt die stimmhafte oder weichere Partnerform
- Gleitlaute bleiben visuell leichter; Affrikaten dürfen erkennbar komplexer gebaut sein
- Jeder Buchstabe sollte mit höchstens 2 bis 3 Grundelementen auskommen
3. Konsonanteninventar der Schrift
3.1 Labialfamilie
Grundidee: Vertikalstrich + linker Halbkreis
| Phonem | Bauform | Funktion |
|---|---|---|
p | Vertikalstrich + linker Halbkreis | stimmloser labialer Verschluss |
b | p + Punkt | stimmhafter labialer Verschluss |
m | p + unterer Horizontalstrich | labialer Nasal |
f | p + oberer Horizontalstrich | stimmloser labialer Reibelaut |
v | f + Punkt | stimmhafter labialer Reibelaut |
3.2 Alveolarfamilie
Grundidee: Vertikalstrich als Stamm
| Phonem | Bauform | Funktion |
|---|---|---|
t | Vertikalstrich + oberer Horizontalstrich | stimmloser alveolarer Verschluss |
d | t + Punkt | stimmhafter alveolarer Verschluss |
n | Vertikalstrich + unterer Horizontalstrich | alveolarer Nasal |
s | Vertikalstrich + rechter Halbkreis | stimmloser alveolarer Reibelaut /s/ |
z | s + Punkt | stimmhafter alveolarer Reibelaut /z/ |
3.3 Dentalfamilie
Grundidee: langer Stamm + Unterhaken
| Phonem | Bauform | Funktion |
|---|---|---|
th | langer Vertikalstrich + kurzer Unterhaken | stimmloser dentaler Reibelaut /θ/ |
Hinweis:
thist ein eigener dentaler Slot und keine Ligatur aust + h.
3.4 Velarfamilie
Grundidee: Vertikalstrich + rechter Halbkreis
| Phonem | Bauform | Funktion |
|---|---|---|
k | Vertikalstrich + rechter Halbkreis | stimmloser velarer Verschluss |
g | k + Punkt | stimmhafter velarer Verschluss |
3.5 Postalveolare Reibelaute
Grundidee: oberer Halbkreis + Stamm
| Phonem | Bauform | Funktion |
|---|---|---|
sh | oberer Halbkreis + Vertikalstrich | stimmloser postalveolarer Reibelaut /ʃ/ |
zh | sh + Punkt | stimmhafter postalveolarer Reibelaut /ʒ/ |
Hinweis:
shundzhsind absichtlich Geschwisterzeichen; dieselbe Basisform wird über den Punkt stimmhaft gemacht.
3.6 Affrikatenfamilie
Grundidee: postalveolare Basis + Unterhaken
| Phonem | Bauform | Funktion |
|---|---|---|
j | zh + kurzer Unterhaken | stimmhafte postalveolare Affrikate /d͡ʒ/ |
3.7 Sonoranten und Gleitlaute
| Phonem | Bauform | Funktion |
|---|---|---|
h | einzelner Vertikalstrich | glottaler Hauchlaut |
l | Vertikalstrich + linker Halbkreis unten klein | lateraler Laut |
r | Vertikalstrich + kurzer Mittelstrich nach rechts | rotischer Laut |
w | unterer Halbkreis + kurzer Vertikalstrich | labiovelarer Gleitlaut |
y | schlanker oberer Halbkreis + kurzer Vertikalstrich | phonemisches /j/; wortinitial und nach Vokalen als [j], nach Konsonanten oft palatalisierend wie in yava, zeya, veyra, zyran |
Hinweis:
- Der aktuelle Wortschatz unterscheidet
y = /j/undj = /d͡ʒ/synchron. Die Blockschrift reserviert deshalb zwei getrennte Zeichen mit unterschiedlich schwerer visueller Komplexität. - Das
y-Zeichen bleibt auch dort erhalten, wo die Standardsprache phonetisch nur Palatalisierung hört (zy->[ʑ],ky->[kʲ]); die Schrift bildet weiterhin den phonemischen Slot/j/ab.
4. Vokalinventar der Schrift
Die Vokale bleiben bewusst einfacher als die Konsonanten. Sie tragen nur Qualität, keine Länge.
| Phonem | Bauform | Platzierung im Block |
|---|---|---|
a | kurzer Vertikalstrich | rechte Seite |
e | kurzer Vertikalstrich + Punkt | rechte Seite |
i | zwei kurze Vertikalstriche | rechte Seite |
o | kurzer Horizontalstrich | Unterseite |
u | kurzer Horizontalstrich + Punkt | Unterseite |
5. Lautloser Träger und Hiatuszeichen
| Zeichen | Bauform | Funktion |
|---|---|---|
| Nullträger | kurzer Vertikalstrich mit Punkt darunter | füllt die Anlautposition vor vokalischen Silben |
| Hiatuszeichen | einzelner Punkt zwischen zwei Vokalzeichen oder über dem zweiten Block | markiert bewusste Trennung oder hörbaren Glottalstopp |
Regel:
- Vokalisch anlautende Silben werden nicht ohne Anlautslot geschrieben.
- Stattdessen steht im Anlaut ein lautloser Träger.
- Der Glottalstopp bleibt sekundär und muss nicht in jedem Wort mitgeschrieben werden.
6. Blockbau der Silben
6.1 Grundprinzip
Jede Silbe bildet einen annähernd quadratischen Block.
Maximalstruktur:
- Anlaut links oder links-oben
- Vokal rechts oder unten
- Auslaut unten als verkleinerte Endform
Die Phonologie (C)V(C) passt direkt zu diesem System.
6.2 Blocktypen
| Silbentyp | Aufbau |
|---|---|
V | Nullträger + Vokal |
CV | Konsonant + Vokal |
VC | Nullträger + Vokal + kleiner Endkonsonant |
CVC | Konsonant + Vokal + kleiner Endkonsonant |
6.3 Platzierung der Vokale
- Rechtsvokale:
a,e,i - Untervokale:
o,u
Das ergibt eine visuell klare Zweiteilung:
- helle/frontnahe Vokale eher vertikal
- runde/tiefere Vokale eher horizontal
6.4 Auslautformen
Der Auslaut nutzt dasselbe Grundzeichen wie der Anlaut, aber:
- verkleinert
- in die untere Blockzone gesetzt
- ohne Umstellung der Grundbestandteile
Der Punkt bleibt erhalten, damit stimmhafte und stimmlose Endkonsonanten im Schriftbild unterscheidbar bleiben, auch wenn diese Opposition später phonologisch noch reduziert werden sollte.
7. Schreibregeln
7.1 Phonemische Grundregel
Die Schrift ist im Kern phonemisch:
- ein Phonem = ein Buchstabe
sh,zhundtherhalten je ein eigenes Zeichenyundjerhalten ebenfalls getrennte Zeichen- lateinische Digraphen sind nur Umschrift, keine Analyse der Blockschrift
7.2 Morphologische Transparenz
- Präfixe bleiben im Schriftbild silbisch sichtbar
- Komposita können normal hintereinander geschrieben werden
- Endungen wie
-ath,-or,-iwerden nicht verschmolzen, sondern blockweise geschrieben
7.3 Worttrennung
- Wörter werden durch Leerzeichen getrennt
- Innerhalb eines Wortes gibt es keine Bindestriche in der Standardschrift
- Das lateinische Apostroph bleibt nur für Umschrift oder Spezialfälle relevant
8. Transkription
Empfohlene 1:1-Umschrift:
| Blockschrift-Phonem | Lateinische Umschrift |
|---|---|
sh | sh |
zh | zh |
th | th |
y | y |
j | j |
w | w |
Alle anderen Zeichen werden direkt 1:1 nach dem bekannten lateinischen Standard wiedergegeben.
9. Gestalterische Wirkung
Die Schrift soll:
- klar und geordnet wirken
- aus etwas Entfernung rhythmische Blockgruppen bilden
- trotz der geometrischen Einfachheit weich aussehen
- durch Bögen und Punkte eine organische, nicht zu technische Anmutung behalten
Besonders passend für Veyrathi ist der Kontrast aus:
- stabilen Vertikal- und Horizontalachsen
- weichen Halbbögen
- kleinen Punkten als feinen Unterscheidungsmerkmalen
10. Empfehlung für die nächste Ausarbeitung
Als nächster Schritt sollten ausgearbeitet werden:
- ein konkretes Glyphenset mit Skizzen pro Zeichen
- genaue Proportionen für Anlaut-, Vokal- und Auslautzone
- eine Liste mit Beispielwörtern in Blocksegmentierung
- eine Entscheidung, ob der Hiatuspunkt nur optional oder orthographisch verpflichtend sein soll
- eine endgültige Feinausarbeitung der getrennten
y-/j-Reihe