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Vergleich der vier veyatischen Sprachen

Dieser Vergleich stellt vier Stufen derselben Sprachfamilie nebeneinander:

Vergleich der vier veyatischen Sprachen

Dieser Vergleich stellt vier Stufen derselben Sprachfamilie nebeneinander:

  1. Ur-Veyatisch
  2. Alt-Veyata
  3. Veyrathi
  4. Veytharisch

Ziel ist kein blosses Wortlisten-Nebeneinander, sondern ein lesbarer Überblick darüber, wie sich Lautgestalt, Grammatik und Stil von der gemeinsamen Ursprungssprache über die Zwischenstufe Alt-Veyata bis zu den beiden jüngeren Ausprägungen entwickeln.

Hinweis:

  • Wo eine Form oder ein Satz nicht schon wörtlich in den Einzeldateien belegt ist, folgt er direkt den dort festgelegten produktiven Regeln.
  • Alt-Veyata steht hier bewusst als Scharnierstufe zwischen Ur-Veyatisch und den späteren Tochtersprachen.

Kurzprofil der vier Sprachen

SpracheRolle in der FamilieKlangGrammatische TendenzTypischer Eindruck
Ur-Veyatischgemeinsame Ursprungssprachesonor, archaisch, mineralischnoch relativ frei, mit Reliktpartikeln und Registerschwankungkultisch, rechtlich, alt
Alt-Veyataspäte gemeinsame Koinedichter als Veyrathi, aber schon geglättetRestrelationen, gemischtes SOV/SVO, Übergangssystemvermittelnd, historisch, überregional
Veyrathiöstliche Standard- und Verkehrsspracheoffen, vokalreich, regelmässigstark analytisch, SVO, viele klare Partikelnlernfreundlich, neutral, geglättet
Veytharischwestliche Regional- und Bindungssprachedichter, kantiger, endungsärmerV2 im Hauptsatz, mehr Auxiliare, mehr Adpositionsgebrauchlokal, verbindlich, konservativer

Wortvergleiche

Kernwörter

BedeutungUr-VeyatischAlt-VeyataVeyrathiVeytharischBeschreibung
sprechenveyarveyraveyraveirenDas alte Verb auf -ar wird in Alt-Veyata und Veyrathi zu einer offenen -a-Form geglättet. Veytharisch baut daraus ein neues Lexikonmuster auf -en mit finitem Stamm veir.
sehenseyarseyraseyraseirenDerselbe Entwicklungspfad wie bei veyar: östlich Glattung, westlich Diphthongverschiebung und neues Infinitivsystem.
gehentalartalatalatalenAlt-Veyata reduziert die alte Endung bereits stark. Veyrathi übernimmt diese offene Form, Veytharisch verdichtet zum Stamm tal mit Infinitiv talen.
gebennavarnavanavanavenSehr transparenter Kognatenpfad: Urform, geglättete Zwischenstufe, veyrathische Standardform und veytharisches -en-Verb.
RedeveyaratveyrathaveyrathveirethDas alte Abstraktsuffix -at wird in Alt-Veyata zu -atha ausgebaut. Daraus entstehen östlich -ath und westlich -eth.
RatthalarthalorthalorthalAlt-Veyata zeigt bereits die östliche Rundung zum Stamm thalor. Veytharisch kürzt die zweite Silbe weg und behält die kompakte Form thal.
VertragkevarkevarakevarkevarAlt-Veyata regularisiert das Wort kurzzeitig mit offener Endsilbe. Beide späteren Sprachen gehen wieder zu einer kürzeren Form zurück, aber auf unterschiedliche Weise.
HeimatnaarnaarnaarnaarEin sehr stabiles Erbwort. Die semantische Kontinuität ist hier grösser als der lautliche Wandel.
starkdraesdrazdrazdraesDie östliche Linie glattet den alten Diphthong und vereinfacht die Wortkante. Veytharisch bewahrt die archaischere Form fast unverändert.
neuzeyazeyazeyazeiVeyrathi hält die offene Form, Veytharisch zieht den Diphthong nach vorn und kürzt das Wort.
klar, wahrvelanvelvelvelanAlt-Veyata und Veyrathi verdichten das Wort zu einer kurzen Kernform. Veytharisch behält die vollere Form im Adjektivbestand.

Funktionswörter und Grammatikmarker

FunktionUr-VeyatischAlt-VeyataVeyrathiVeytharischBeschreibung
bestimmter ArtikelaeraraaraeAlt-Veyata regularisiert die alte Deixis zu einer offenen Koineform. Danach spalten sich die Formen in eine kurze östliche und eine enge westliche Variante auf.
distaler ArtikelauroraorourHier zeigt sich dieselbe Spaltung noch deutlicher: Alt-Veyata vermittelt, während Ost und West in verschiedene Richtungen reduzieren.
NegationnoinononeDer alte Negator wird über Alt-Veyata vereinfacht. Veyrathi hält no, Veytharisch verengt weiter zu ne.
Zukunftshara-rashaUr-Veyatisch und Veytharisch arbeiten mit einer freien Zukunftsmarkierung. Alt-Veyata verschiebt die Zukunft hinter das Verb; Veyrathi bindet sie schliesslich als Suffix.
Besitz / Zugehörigkeitna=ren'rennaAlt-Veyata verlässt die alte Partikelstrategie und baut ein Genitivklitikum auf. Veyrathi macht daraus sein typisches Possessivmuster, während Veytharisch die alte na-Strategie konserviert.
1. Person Singularnu / naunununaiAlt-Veyata und Veyrathi verallgemeinern die kurze Redeform. Veytharisch formt die alte Reihe neu aus und endet bei nai.
neutrale 3. Personse / seyasesesaeDie neutrale Person bleibt durchgehend erkennbar, driftet aber im Westen vokalisch nach vorn.
IrrealiskaikeikeikaiAlt-Veyata und Veyrathi vereinheitlichen die Form mit ei, während Veytharisch den archaischeren Vokal bewahrt.

Satzvergleiche

1. Basisaussage: "Ich spreche."

SpracheSatz
Ur-VeyatischNu veyar.
Alt-VeyataNu veyra.
VeyrathiNu veyra.
VeytharischNai veir.

Beschreibung:

  • Von Ur-Veyatisch zu Alt-Veyata fällt die alte Verbendung -ar weitgehend zusammen.
  • Veyrathi übernimmt diese offene Form fast unverändert.
  • Veytharisch bildet stattdessen einen nackten finiten Stamm und verschiebt gleichzeitig das Pronomen zu nai.

2. Zukunft: "Ich werde sprechen."

SpracheSatz
Ur-VeyatischNu sha veyar.
Alt-VeyataNu veyra ra.
VeyrathiNu veyrara.
VeytharischNai sha veiren.

Beschreibung:

  • Ur-Veyatisch setzt die Zukunft noch als freie Partikel vor das Verb.
  • Alt-Veyata verschiebt die Zukunft hinter das Verb und schafft damit die direkte Vorstufe des veyrathischen Futurs.
  • Veyrathi verschmilzt Partikel und Verb zu einer einzigen Wortform.
  • Veytharisch behält dagegen das Auxiliarprinzip und kombiniert es mit dem -en-Infinitiv.

3. Negation: "Ich spreche nicht."

SpracheSatz
Ur-VeyatischNu noi veyar.
Alt-VeyataNu no veyra.
VeyrathiNu no veyra.
VeytharischNai ne veir.

Beschreibung:

  • Die Negation bleibt in allen vier Sprachen präverbal.
  • Lautlich sieht man aber einen klaren Erosionspfad: noi > no > ne.
  • Veytharisch bewahrt also die Stellung, verändert aber die Lautgestalt deutlicher als Veyrathi.

4. Nominale Prädikation: "Der Rat ist stark."

SpracheSatz
Ur-VeyatischAer thalar draes.
Alt-VeyataAra thalor draz.
VeyrathiAr thalor draz.
VeytharischAe thal is draes.

Beschreibung:

  • Ur-Veyatisch und die östliche Linie erlauben im unmarkierten Präsens kopulalose Prädikate.
  • Alt-Veyata zeigt dabei schon die spätere veyrathische Glattung in Artikel und Nomen.
  • Veytharisch geht hier bewusst einen anderen Weg und verlangt regulär die Kopula is.
  • Gleichzeitig kürzt Veytharisch den Nomenstamm zu thal, während Veyrathi thalor hält.

5. Besitz und Zustand: "Mein Haus ist offen."

SpracheSatz
Ur-VeyatischAer drun na nau torim.
Alt-VeyataNu=ren drun torim.
VeyrathiNu'ren drun torim.
VeytharischAe drun na naim is torim.

Beschreibung:

  • Ur-Veyatisch baut Besitz noch mit der freien Partikel na.
  • Alt-Veyata verlagert Besitz in ein Genitivklitikum =ren.
  • Veyrathi macht genau daraus sein typisches Possessivmuster mit vorangestelltem Possessiv.
  • Veytharisch beharrt dagegen auf na und fügt zudem die Kopula is hinzu.

6. Transfer: "Ich gebe der Person Nahrung."

SpracheSatz
Ur-VeyatischNu pethan ta se navar.
Alt-VeyataNu sei pethan nava.
VeyrathiNu nava se pethan.
VeytharischNai nav peth ta sae.

Beschreibung:

  • Ur-Veyatisch zeigt noch sehr deutlich die alte Zielpartikel ta und eine SOV-nahe Reihenfolge.
  • Alt-Veyata ersetzt die Zielpartikel oft schon durch die oblique Form des Pronomens (sei), hält aber den Objektblock noch vor dem Verb.
  • Veyrathi macht daraus seine klare SVO-Transferstruktur: Verb zuerst, dann Empfänger, dann Thema.
  • Veytharisch setzt das finite Verb in Zweitposition und behält die adpositionale Zielmarkierung ta.

7. Bedingung und Irrealis: "Wenn die Person nicht spricht, würde ich fragen."

SpracheSatz
Ur-VeyatischVena se noi veyar, nu kai sherrar.
Alt-VeyataDun se no veyra, nu kei sherra.
VeyrathiDun se no veyra, nu kei sherra.
VeytharischVen sae ne veir, nai kai sherren.

Beschreibung:

  • Der alte Konditionalmarker vena lebt im Westen als ven weiter, wird aber in Alt-Veyata und Veyrathi durch dun ersetzt.
  • Auch beim Irrealis spaltet sich die Familie: Westlich bleibt kai, östlich setzt sich kei durch.
  • Veytharisch zeigt ausserdem wieder das Infinitivmuster auf -en, während Veyrathi und Alt-Veyata die nacktere Verbform bevorzugen.

8. Geltungsaussage: "Der Vertrag ist gültig."

SpracheSatz
Ur-VeyatischAer kevar zorin isar.
Alt-VeyataAra kevara zorin.
VeyrathiAr kevar zorin.
VeytharischAe kevar is zorin.

Beschreibung:

  • Ur-Veyatisch kennt eine optionale, stilistisch markierte Kopula isar.
  • Alt-Veyata ist hier schon deutlich jünger und lässt im unmarkierten Präsens die Kopula weg.
  • Veyrathi führt diese kopulalose Normalprädikation konsequent fort.
  • Veytharisch baut die Kopula dagegen aus und macht sie im Standardsatz fast zwingend.

Zentrale Entwicklungslinien

  1. Alt-Veyata ist keine blosse Mischform, sondern die Phase, in der viele alte Systeme schon vereinfacht sind, ohne dass die spätere Ost-West-Spaltung voll durchgeschlagen hat.
  2. Veyrathi setzt fast durchgehend auf Glattung, offene Silben, kurze klare Partikeln und transparente SVO-Struktur.
  3. Veytharisch behält häufig ältere Reste, kürzt aber gleichzeitig Lautgestalten, baut Auxiliare aus und entwickelt eine deutlich engere Satzarchitektur.
  4. Ur-Veyatisch ist nicht automatisch "komplizierter" als alles Spätere, aber freier, registerabhängiger und weniger standardisiert.
  5. Wortverwandtschaft bleibt zwischen allen vier Stufen klar sichtbar, doch schon auf Satzebene werden die Unterschiede in Besitzmarkierung, Zukunftsbildung, Kopuläinsatz und Wortstellung sehr deutlich.

Kurzfazit

Die vier Sprachen zeigen eine saubere historische Staffelung:

  • Ur-Veyatisch ist die alte Quelle.
  • Alt-Veyata ist die geglättete gemeinsame Brückenstufe.
  • Veyrathi macht daraus eine offene, analytische Standardsprache.
  • Veytharisch entwickelt sich zu einer dichteren, konservativeren und sozial markierteren Schwester.

Gerade in Wort- und Satzvergleichen sieht man, dass Alt-Veyata die plausibelste Stelle ist, an der sich die Familie noch gemeinsam lesen lässt, bevor Ost und West in unterschiedliche Richtungen ziehen.

In diesem Abschnitt

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